potaje lanzaroteño.
Unruhig schritt die Hexe durch den Wald. Hatte sich angewöhnt, leise zu gehen, auf keine Zweige zu treten, um sich nicht durch ein Knacken zu verraten auf ihrer Suche nach einem unschuldigen Menschenwesen, das sie verhexen, in ihresgleichen verwandeln könnte. Doch sie fand, dass es schwer geworden war in diesen Zeiten. Wann immer ihr die Menschen begegneten, so war keine Unschuld in ihnen. Eher das Gegenteil, eine Bösartigkeit, die der ihren den Glanz nahm, sie schier neidisch machte. Und sie fühlte, dass es sinnlos war, ihre seit Jahrhunderten kultivierte Kunst an diese Menschen zu verschwenden. Und so ließ sie die meisten Menschen unbehelligt ziehen, wohl wissend, dass es ihr kein Vergnügen bereiten würde, und dass sie auch keine würdigen Hexen und Hexer aus ihnen formen könnte. Dennoch, die Walpurgisnacht nahte, und sie wollte nicht mit leeren Händen vor ihren Genossinnen dastehen. Sie musste etwas vorzuweisen haben, um sich als würdige, beachtenswerte Hexe zeigen zu können. Dieser Druck plagte sie mehr denn je. Und wieder stand sie vor diesem kleinen Fluss, diesem verdammten Gewässer. Sie hasste Bäche, sie verabscheute Flüsse, verachtete Seen. Die Vorstellung des Meeres war das Einzige, das in ihr nacktes Grauen erzeugen konnte. In allen diesen Gewässern lauerte der Tod, der unsäglich unwürdige Hexentod. Verschlungen zu werden, im Nichts aufzugehen, nichts hinterlassend, was der Nachwelt ein Gruseln über die Haut zog. Dieser verfluchte kleine Fluss, er entzog sich allen ihren Verwünschungen, allen alchimistischen Formeln, ihrer ganzen Kunst. Und dass es alle Hexen und Hexern so erging, tröstete sie nicht im Mindesten. Sie schimpfte vor sich hin, murmelte Formeln und Zaubersprüche in den Fluss und wusste doch, dass diese wirkungslos bleiben würden, wie seit Anbeginn der Zeit. Dennoch versuchte sie es immer wieder, das war sie ihrer Ehre schuldig und tat ihrem Starrsinn gut. Schließlich ließ sie davon ab und wandte dem Fluss den Rücken zu. Wie befohlen zogen die Nebel auf, das herbeibeschworene Raunen im Wald entlockte ihr ein leises, bösartiges Lachen. Sie beherrschte es also noch. Raunen war sehr schwer. Nur wenige Hexen konnten es noch herbeirufen, dieses hörbare Raunen in den Wäldern. Man musste stille stehen, um es zu hören. Doch dann, wenn man ganz regungslos stand und meinte etwas gehört zu haben, dann hielt die Hexe das Raunen wieder an, um es kurz darauf leise wieder kommen zu lassen. Das ging dann eine Weile so hin und her, dann ließ sie es eine Prise lauter raunen. Bis der Mensch es nicht mehr leugnen konnte, es seinen Puls beschleunigte und ihn in kalten Schweiß ausbrechen ließ. Bevor dann die Panik kam, sie nur noch rannten, diese Menschenwesen. Und immer genau in ihre Richtung. Noch immer lächelte sie, starrte in die heraufbeschworenen Nebelschwaden. Diese nahmen dem kleinen Fluss etwas von seiner Bedrohlichkeit. So könnte sie wohl, über Steine und kleine Sandbänke hüpfend, ans andere Ufer gelangen, dorthin wo sie selten war, sich aber mehr Menschenwesen aufhielten als auf ihrer Seite des Flusses. Sie musste allen Mut zusammennehmen, und dieser war beträchtlich, schützte ihre Röcke und sprang auf die erste kleine Ansammlung von Steinen, die ihr etwas Sicherheit versprachen. Sie ließ die Nebel etwas zurückweichen und suchte die nähere Umgebung des Flüsschens ab. Widerwärtig, dieses elende Gemurmel um ihre Füße, sie hasste es aus tiefstem Hexenherzen. Dort gab der Nebel eine kleine Sandbank frei, die aussah, als ob sie sie tragen würde, ihr einen Moment Ruhe geben würde, etwas Zeit schenkte, um ihre weiteren Schritte zu planen. Sorgfältig bereitete sie ihren nächsten Sprung vor, ging leicht in die Knie, stieß mit all ihr zur Verfügung stehend Kraft von den Steinen ab. Und hob ihr rechtes Bein, um auf der nahen Sandbank Halt zu finden. Doch dann, im allerletzten Moment, gab einer der Steine unter ihrem Fuß nach, rutschte zur Seite und beraubte sie des nötigen Schwungs, um bis zum rettenden Sand zu gelangen. Noch im Flug wurde ihr klar, dass sie es nicht schaffen würde und dass der Fluss nach ihr greifen würde. Ein wütender Schrei entfuhr ihr und noch vor ihrem Aufklatschen im Wasser befahl sie Blitz und Donner. Dann fühlte sie, wie das Wasser sie nach unten zog. Sah den Blitz kaum, der ganz in ihrer Nähe einschlug, hörte nur von ferne den gewaltigen Donnerschlag, der unmittelbar nach dem Blitz folgte, roch diesen eigenartigen Geruch nicht mehr, den der Blitz, nunmehr verglüht, über dem Wasser des kleinen Flüsschens hinterließ. Unaufhaltsam zog der Fluss sie tiefer, sie wusste, dass all ihre Künste unter Wasser wirkungslos bleiben würden und Panik ergriff sie. Mit dem letzten Quentchen Luft formte sie einen gellenden Wutschrei, welcher wirkungslos als kleine Blasen an die Oberfläche stieg und dort von den abziehenden Nebeln eingehüllt und fortgetragen wurde, kein Schrei mehr war. Nur noch ein Nichts, ein bisschen Luft, welches von den Nebeln verschluckt und aufgesogen wurde. In irgendeiner Ecke ihres Hexenhirns wunderte sie sich, dass sie nicht das Bewusstsein verlor, noch immer dieses kalte, feindliche Wasser an ihrem Körper fühlte, das sie einhüllte, sich an ihr festkrallte, sie nie mehr loslassen würde. Der Fluss drückte sie auf den Grund seines Bettes, ließ sie über verfaulte Äste taumeln, schlug sie gegen Gesteinsbrocken, wirbelte sie herum. So als wollte er sie reinwaschen, weichklopfen, mürbe machen. Noch immer konnte sie denken, fühlen, erlebte die ganze Abscheu dieses unwürdigen, unnützen Todes. Sie geriet in einen Strudel, der sie drehte, immer schneller, kein Entrinnen zuließ, nach unten, unten, unten, scheinbar unendlich. Plötzlich spie der Fluss sie aus, sie schlug auf etwas Hartes auf., fühlte Schmerzen, unsägliche Schmerzen in ihrem geschundenen, Jahrhunderte alten Körper. Mehr noch in ihrem Innern, ihrer Hexenseele, da schmerzte es grauenvoll, dort litt sie unaussprechliche Qualen. Es war ihr, als würde ein Teil ihres Selbst absterben, verfaulen, hinwegziehen, sie zurücklassen mit diesem Loch, dieser Stelle, von der sie nicht wusste, wie sie sie wieder füllen sollte. Aber sie wusste auch, dass sie mit diesem Loch nicht lange leben konnte, es sie umbringen würde. Alle Bitternis ihrer Wahnsinnsfahrt durch den Fluss schien auf einmal nebensächlich, so sehr schmerzte dieses Etwas, was ihr bei lebendigem Leib herausgerissen schien. Keuchend stützte sie sich auf ihre Ellbogen, bemerkte die Tatsache nicht, dass sie trocken war, auch unverletzt. In ihrem Hirn suchte sie verzweifelt nach den alchimistischen Formeln um diesem Schmerz, der sie langsam zum Wahnsinn trieb, Einhalt zu gebieten. Aber mit Entsetzen wurde ihr klar, dass sie diese vergessen hatte, in ihrem Kopf nur noch Leere war. Sosehr sie sich auch anstrengte, die Formeln der Sprüche wollten nicht mehr in den Sinn kommen. Erst in diesem Moment erkannte sie, dass sie ihre Hexenfähigkeiten verloren hatte, der Fluss sie aus ihr herausgewaschen hatte, sie unrettbar im Wasser verloren waren. Und es eine Hexe weniger gab. Noch nie in all diesen hunderten von Jahren hatte die Hexe geweint, nun flossen ihre Tränen ungehemmt, überschwemmten ihr runzliges Gesicht, liefen ihre welke Brust hinunter, über den Bauch, es wollte nicht mehr aufhören. Ihr ganzer tausendjähriger Kummer schien in diesen Tränen zu liegen, die nicht versiegen wollten. Ganz langsam begann sie durch ihre Tränen verschwommen ihre Umgebung wahrzunehmen. Sie befand sich offenbar in einem Krater, schroffe Felsen umgaben die kleine, fast ebene Fläche, auf der sie sich befand. Abendlicht, lange, dunkle Schatten, rostbraune Felsen, und Stille. Absolute Stille. Kein Waldwispern, kein Eichhörnchenhuschen, kein Geräusch eines fallenden Tannnenzapfens, nichts. Grauenvolles stilles Nichts. Lediglich ein paar Krähen überquerten nachtschwarz, träge und lautlos den Krater. Langsam ließ sie sich auf den Boden zurückfallen und erkannte, dass diese Stille jenes Raunen war, das nun ihr zugedacht war. Zum ersten Male fühlte sie die Angst, die nackte pure Angst, die dieses Raunen jeweils erzeugt hatte. Dann sah sie an sich herunter. Ihre Tränen zerfraßen die Bluse, ihre ganzen Kleider wie Säure. Ihre Haut begann wie Feuer zu brennen und der Schmerz ließ sie noch mehr in Schluchzen ausbrechen. Nun brannte alle Haut an ihrem Körper, sie schien von Feuer eingehüllt, auf höllische Weise eingekleidet. Und aus ihr brach ein gellender Schrei heraus, brandete in die Felswände, schlug zurück, änderte, so malträtiert, seine Tonlage, wollte kaum zur Ruhe kommen. Dieser Schrei schmerze auch in ihren Ohren, quälte sie ebenso, wie sie von ihrer brennenden Haut gequält wurde. Sie schrie noch lauter, meinte, dass ihre Pein so zu ertragen sei. Ihre Kleidung fiel inzwischen in Fetzen von ihr, verbrannt, stinkend, Ekel erregend. Sie stand auf, schrie immer noch, doch etwas Neues hatte sich mit ihrem Schreien vermischt, etwas, das sie nicht erklären konnte. Und auch nicht wollte. Denn ihre Haut schien sie zu versengen, sie bei lebendigem Leibe verglühen zu lassen. Sie war dem Entsetzen nahe, es raubte ihr schier die Sinne, doch zugleich erkannte sie tief drinnen, dass das Schreien sie retten konnte. Uns so schrie sie, das Echo ihrer Stimme klatschte ihr hässlich von den Felswänden zurück, schmerzte in ihren Ohren. Nochmals füllte sie ihre Lungen, schrie ihre Qual und ihre Pein in den Krater hinaus, hatte kaum mehr Luft in ihren Lungen, noch ein Schrei, dieser leiser, in einer anderen Tonlage, fast harmonierend mit dem Vorangegangenen. Und er schien ihre Schmerzen etwas zu lindern. Und wieder füllte sie ihre Lungen, schrie in die inzwischen hereingebrochene, frühe Nacht hinaus, versuchte ihren Schreien Form und Farbe zu geben, bemerkte, dass ihre Tränen aufgehört hatte, sie zu brennen, sie zu verglühen. Eher angenehm kühlend flossen sie ihren Leib hinunter. Ihr ganzes Bewusstsein war bei ihren Schreien, ihrer Stimme und der Erkenntnis, dass diese Schreie etwas veränderten. Verwundert hielt sie einen kurzen Augenblick inne, schmetterte einen weiteren Schrei gegen den Kraterrand, wartete einen Augenblick und warf einen nächsten Schrei hinterher, eine Tonlage tiefer. Sie spürte, dass ihr Leib kühler wurde, formte drei Schreie zu einer kleinen Melodie, fühlte, wie diese von den Felsen zurückgeworfen wurde, ihren Körper trafen, ihn kühlten, die Schmerzen mit sich nahmen. Jetzt sang sie schon fast. Die Linderung auf ihrer Haut und in ihrer Seele taten ihr gut. Dann nahm sie allen Mut zusammen, sandte ihre erste eigene Urmelodie in den Krater. Fühlte, wie das Echo sie umperlte, einhüllte, heilte. Und wieder füllte sie sich bis zum Bersten mit Luft. Und dann begann sie zu singen, mit aller Inbrunst eines Herzens, das soeben geboren wurde. Und fühlte wie Balsam, dass ihre Haut heilte, ihr Kummer von ihrem eigenen Gesang hinweggetragen wurde. Und so saß die Hexe in diesem Krater, sang sich ein Herz in die Brust, eine Seele in ihren Körper. Irgendwann bemerkte sie, dass auch ihr Körper sich verändert hatte. Zum Körper einer jungen Frau zu werden schien. Doch erschien ihr das nicht besonders bemerkenswert, sie sang, so als ob sie nie mehr aufhören wollte. Plötzlich hielt sie inne. Hatte sie da nicht eben einen Laut gehört, der nicht von ihr kam? Sie lauschte einen Augenblick, dann sang sie weiter in die Nacht hinein. Auf einmal war dieser Ton wieder da, schien auf eine seltsame Weise in ihren Gesang einzustimmen. Doch diesmal ließ sie sich nicht beirren und sang einfach weiter, wenn auch etwas leiser. Lauschte gleichzeitig diesen Flötentönen, sog diese Melodie in sich auf, verwob sie mit ihrem Gesang. Da war etwas, etwas das Harmonie suchte, Gleichklang schuf, sie inspirierte. Und weiter singen ließ, doch von nun an in absichtsloser Harmonie mit diesen Flötentönen. Eine eigenartige Veränderung ging in ihr vor. Ihr Gesang wurde lieblicher, melodiöser, auch etwas lockend. Kam auch aus einem lachenden Mund, einem strahlenden Gesicht. Sie sang immer leiser, hatte ihren neuen Zauber gefunden, um diese Töne behutsam herbeizurufen. Und dieses Locken war nicht mehr das Locken einer Hexe. Jetzt erst fühlte sie, dass sie sich ihre ganzen Jahrhunderte weggesungen hatte. All ihren Kummer, ihre Einsamkeit, all ihre Bitterkeit. Nun sang sie ganz leise, blickte an ihrem nackten Körper herunter, und ein Strahlen ging über ihr Gesicht. Sie hatte sich gehäutet, ihre Haut sah jung aus, ihr Körper straff, und in ihrem leisen Singen fühlte sie endlich auch ihre Sterblichkeit. Sie bemerkte, dass jemand sich ihr näherte, summte leise weiter, ohne den Blick zu heben. Kaum hörbar antworteten ihr einige wenige Flötentöne, leise, zärtlich, wie eine Melodie im Frühlingsregen. Dann fühlte sie, wie ihr etwas über die Schultern, um den Körper gelegt wurde. Und eine Stimme leise sagte: „Komm, es wird bald kalt hier im Cuervo.“
Was die ehemalige Hexe gern hat: Tortilla verde Cuervo Rezept für 2 Personen, Vorspeise 3 Eier und 1/2 Zwiebel und Bei kleiner bis mittlerer Hitze solange garen Sofort servieren. Kein Salz und keinen Pfeffer verwenden, der Käse und der Jamon serrano geben genügend Salz und Würze ab. Variation:
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